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Verein


Große Party zum 20jährigen Bestehen war am 7. Juni 2013 mit Live-Band, Tanz mit dj ketchuptoast, Buffet und Trinken, Diashow aus 20 Jahren. Jetzt eilen wir dem 25jährigen Entgegen, 2018 wird das ein großes Treffen!



Die Entstehung des Vereins „Freier Kindergarten Leipzig e.V.“

Eine Rückschau über mehr als 15 Jahre von Jürgen Brehme*

Zwei Jahre nach der Wende hat sich in der bürgerbewegten Stadt Leipzig vieles bewegt – nur in der Kindergarten-Landschaft scheint nicht viel zu passieren. Zwar wird der ideologisierte Teil der DDR-Erziehung vermieden, ansonsten aber eher still gehalten und auf die nächste Anweisung gewartet. Ein neues, modernes Bild vom Kind und eine an den Interessen des Kindes und der Familien ausgerichtete Betreuung wollen sich nicht wirklich entwickeln.



Sommer 1992

Als die in den letzten Wehen der DDR gegründete Freie Schule ihr Domizil in einem ehemaligen Kindergarten Richtung eigenes Schulgelände im Connewitzer Lindenhof verlegen kann, liegt die Idee nahe: in die frei gewordenen Räume kommt ein „Freier Kindergarten“. Nur wenige Handzettel reichen, um hochinteressierte Eltern und Mitarbeiter zusammen zu rufen. Da die Freie Schule zögert, die Trägerschaft zu übernehmen, wird noch im Herbst der notwendige Trägerverein gegründet: der Freie Kindergarten e. V.



Eine Philosophie, geprägt von Demokratie und Kindes-Achtung

Der Name „Freier Kindergarten“ entspringt nicht einfach nur dem geistigen Vorbild der Freien Schule. Die Gründungsinitiative setzt sich selber gründlich mit der eigenen Idee von Kinderbetreuung auseinander und orientiert sich dabei an dem Motto „Begleiten statt Erziehen“.
(Quelle: Maaz, Hans Joachim: Begleiten statt Erziehen. In: Christenlehre, Religionsunterricht, Praxis, 50 (1997) 2, S. 9-11)

In den ersten Jahren werden alle üblichen Regeln und Verfahrensweisen der Kleinkind-Betreuung diskutiert und auf den Prüfstand gestellt: Entsprechen sie den Bedürfnissen der Kinder, sind sie – für Kinder – notwendig und sinnvoll? Oder entspringen sie „Erwachsenen“-Interessen, dem Wunsch nach „funktionierenden“ Kindern oder gar der gedankenlosen Ausübung übernommener, gewohnter Rituale unserer eigenen Erziehung?
Die Initiative ist weitgehend geprägt von Eltern und Erzieherinnen, die selber gelitten hatten unter den üblichen Zwängen der DDR-Gleichmacherei: alle mussten mittags schlafen (das ist auch heute noch weit verbreitet in den Kindergärten der neuen Bundesländer), alle mussten die gleiche Beschäftigung kriegen, denselben Tagesrhythmus einhalten usw.

Diese Zeit der Suche nach dem „richtigen“, dem optimalen Umgang von Erwachsenen und Kindern miteinander bleibt heute vor allem als die besonders kreative und spannende Periode in der Erinnerung des Vereins. Und: in dieser Zeit wurde eine geistige Grundlage gelegt, die sich bis heute auf unsere Arbeit auswirkt.



März 1993

Dem Jugendamt, immer noch voll von den einstigen Trägern sozialistischer Staatsbürger-Erziehung, wird erst einmal viel Misstrauen entgegengebracht. Doch wenigstens informieren, dass ein Freier Kindergarten gegründet wird, wollen wir das Amt schon. Der Vertreter der Initiative wird von den offensichtlich völlig unsicheren Mitarbeitern zur Amtsleiterin und deren Mitarbeiter Dr. Schmidt durchgereicht. Bei diesen beiden jedoch rennen wir offene Türen ein. Gemeinsam wird nach geeigneten Räumen gesucht, der Jugendhilfeausschuss involviert und werden die damals noch unbedeutenden bürokratischen Hürden genommen.

Wir beziehen die ersten freien Räume in der großen, alten Stadtvilla in der Alt-Lößniger Gartenstadt – ein halbes Jahr nach dem Gründungsstart! Die Räume bekommen wir von einer städtischen Kinderkrippe, die gerade dabei ist, sich selbst abzubauen. Im Nachbarflügel existiert noch einige Jahre der zugehörige städtische Kindergarten. Das Ende dieser alten Einrichtungen wird von unserem Anfang begleitet. Eine durchaus konfliktträchtige Situation, dabei reicht allein schon unser Name aus, um die altgedienten Erzieherinnen gegen uns aufzubringen.

Bis 1994 erweitern wir uns schrittweise auf die Größe von drei Gruppen.



1998 erste Krippenkinder

Als der städtische Kindergarten geschlossen wird, übernehmen wir einige der Räume und erweitern uns erneut. Erstmalig nehmen wir nun auch Kinder im Krippenalter ab einem Jahr auf! Dem waren einige Diskussionen vorangegangen, denn dieser frühen Betreuung, und damit der zeitigen Herausnahme der Kinder aus ihrem familiären Umfeld, wollten wir ursprünglich gar keinen Vorschub leisten. Doch als die ersten Mitglieder unseres Vereins aus ihren familiären und beruflichen Gründen heraus ihre kleinen Kinder in städtische Krippen geben, bevor sie zu uns in den Freien Kindergarten können, wollen wir diese lieber selber betreuen. Um es den Jüngsten einfacher zu machen und ihnen eine gute Bindungs-Übertragung zu ermöglichen, orientieren wir uns von Anfang an am „Berliner Modell“ von Prof. Laewen, welches wir noch heute anwenden.
(Quelle: Hans-Joachim Laewen, Beate Andres, Eva Hedervari: Die ersten Tage - Ein Modell zur Eingewöhnung in Krippe und Tagespflege ISBN: 978-3-589-25336-4 Cornelsen Verlag)



2001 – Freie Raben

Die Zahl der interessierten Eltern, die zu unseren Interessententagen kommen, wird so groß, dass wir jederzeit weitere Kindergärten eröffnen könnten. KÖNNTEN? Wir können! Das Angebot an die Eltern, im Jahr 2000 beim Interessententag eröffnet, wird angenommen und nach nur einem Jahr die Zweigstelle eröffnet. Dieses Jahr war voll von Aktionen und Kampf der Eltern mit einer Stadtverwaltung, die eher geneigt ist, Kindergärten zu schließen als neue zu eröffnen. (Vorausschaubarerweise fehlen seit 2004 die Kindergärten in Leipzig, die vorher geschlossen werden.)
Die „Freien Raben“, die sich 2002 auf die Größe von 49 Kindern erweitern und sich mit einem Plattenbau-Seitenflügel als Domizil arrangieren müssen (schon wieder ein städtischer Kindergarten als argwöhnischen Nachbarn), gehen ihre eigenen Wege innerhalb der geistigen und konzeptionellen Idee des Vereins.



2002 – aus der alternativen Nische wird ein Modell

Nachdem PISA international gezeigt hat, was die Fachwelt schon länger wusste (so genannter PISA-Schock), will Leipzig auch etwas tun auf dem Gebiet der Frühen Pädagogik und begründet ein Modellprojekt zur Implementierung des Bildungsauftrages in Kindergärten.

 

Modellprojekt-Kita des Jugendamtes

Das Stammteam bewirbt sich als Modellstandort, denn dass sich Kinder gerade in diesem Alter ständig und intensiv „bilden“, war Grundgedanke schon unserer Gründung. Die Entscheidung zum Modellprojekt ist ein wichtiger Schritt, die eigene Arbeit für öffentliche und fachliche Besichtigung zu öffnen!
Es folgen drei spannende Jahre voller Weiterentwicklung unter wissenschaftlicher Begleitung, aber auch in Auseinandersetzung mit dieser. In der Folge werden wir 2005 nicht Konsultationseinrichtung der Stadt Leipzig. Die Vorstellungen des Jugendamtes waren und sind uns viel zu lehrbuchhaft – dazu hätten wir uns in unserer Betreuung „verstellen“ müssen, eine für uns unmögliche Vorstellung. Geht doch Leben mit Kindern nur mit Authentizität.
Aber … siehe 2006: wir werden Konsultations-Standort für den Freistaat Sachsen.



2003 – Integration wird in kleinem Maße möglich

Im Stammhaus wird ein erkranktes Kind zum Anlass, den Kindergarten fit zu machen für die Integration von Kindern mit besonderen Bedürfnissen. Drei Plätze werden geschaffen, um vor allem den Kindern aus dem Umfeld des Vereins die Möglichkeit zu bieten, trotz Beschwernissen im Freien Kindergarten bleiben zu können. Die Bauweise des Hauses setzt jedoch für die Integration verschiedener Behinderungen enge Grenzen – zum Beispiel sind alle unsere Eingänge nur über Treppen zu bewältigen.



2006 – Konsultationseinrichtung des Freistaats Sachsen

Der Freistaat entwickelt einen Bildungsplan mit sehr modernen Vorstellungen von Bildung. Für viele „gestandene“ Teams im Lande ist manches davon schwer vorstellbar. Für die, welche interessiert sind, werden 11 Konsultations-Kitas geschaffen, der Freie Kindergarten ist eine davon. Seitdem kommen Teams aus ganz Sachsen, um sich in unserer Praxis umzuschauen und zu hinterfragen, wie wir Bildung begleiten und ermöglichen. Das bei uns praktizierte Vertrauen in die Kompetenzen und Entscheidungskräfte der Kinder sind noch oft schwer akzeptierbar bei unseren Besuchern. Besonders deutlich wird das am Thema „Schlafen“, ein immer heikles Thema.
» Mehr zum Thema Konsultation



2006 – Zweig1

Die Betreuungsplätze reichen nicht, nicht in Leipzig und schon gar nicht die des Freien Kindergartens. Als im Mai 2005 der Seitenflügel des Stammhauses frei wird, startet der Verein durch. Nach einem einjährigen Kraftakt, diesmal in enger Kooperation und mit großer Unterstützung des Jugendamtes, teilt sich das Stammteam und einige Freier-Kindergarten-erfahrene Mitarbeiterinnen eröffnen mit neuen Leuten am 1. April 2006 einen Zweig des Kindergartens: Zweig1. Jetzt wird hier für 123 Kinder gearbeitet: in einem Haus, jedoch als zwei eigene pädagogische Teams in enger Kooperation.
Besonderheit: Von Anfang an werden Native Speakers (Muttersprachler der englischen Sprache) einbezogen.



Wir kochen selber!

Es folgen weitere Schritte: schon 2006 wird in der ehemaligen Wäscherei im Keller eine eigene Küche eingerichtet. Anlass dafür, sich diesen lang gehegten Traum zu erfüllen, war das Ende der uns bisher beliefernden Vollwert-Küche. Einige Monate der Belieferung mit preiswertem Industrie-Essen hinterließen tiefen Eindruck bei uns – kann man, in einem reichen Land, Kinder in diesem sensiblen Alter so » ernähren?
Wir können nicht.



Wichtig: unsere Freifläche „draußen“!

2007/2008, nach der Mauer-Trockenlegung, wird die Freifläche komplett umgestaltet. Da die Freifläche relativ klein ist (sächsische Mindestnorm: 10 qm pro Kind), muss Einfallsreichtum her: Berge, Durchgänge, Wasserspielfläche mit eigenem Handschwengel-Brunnen, bunte Rundwege; ein echtes Holzschiff zum Kaputtspielen steht da – mit „richtiger“ Kanone, natürlich. Und 2009, ganz neu: ein eigener Brunnen für die Wasserspielfläche.



ab 2009

schreiben wir die Geschichte dieser wunderbaren Orte für Kinder weiter!



* Jürgen Brehme ist einer der Gründer des Projekts und heute Geschäftsführer

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§ 9 Trägerschaft

(1) Kindertageseinrichtungen können von Trägern der freien Jugendhilfe insbesondere auch von Elterninitiativen, privaten Trägern, Betrieben und öffentlichen Einrichtungen sowie von Trägern der öffentlichen Jugendhilfe, Gemeinden und kommunalen Zweckverbänden, betrieben werden.

(2) Der zuständige örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe hat nachhaltig darauf hinzuwirken, dass die Kindertageseinrichtungen vorrangig von Trägern der freien Jugendhilfe errichtet oder übernommen und betrieben werden.


Auszug aus dem Sächsischen Kita Gesetz



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