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Konzept

PDF Download PDF-Broschüre "Konzeption für die Eingewöhnungszeit"


Konzeption des Freien Kindergarten e.V.

Der Verein Freier Kindergarten e. V. wurde 1992 durch eine Elterninitiative gegründet. Er initiiert und ermöglicht mit seinen Einrichtungen Orte, an denen sich Kinder auf den Grundlagen seines Menschenbildes entwerfen können. Mittlerweile betreibt er zwei Kindergärten, die zwischen 1992 und 2006 entstanden sind und mehrere Tagespflegestellen. In einem ständigen Veränderungs-, Reflexions- und Reifungsprozess ist er stetig gewachsen und hat die Entwicklung der pädagogischen Ursprungsideen kontinuierlich vorangetrieben.

Der Verein Freier Kindergarten e.V. arbeitet auf allen Ebenen nach dem Prinzip der Demokratie und fühlt sich mit diesem von Grund auf verwurzelt. Unser pädagogischer Alltag lebt von autonomen und verantwortungsbewussten Persönlichkeiten, die ihre Neigungen, Interessen, Fähigkeiten und Begabungen einbringen und im Austausch miteinander stetig wachsen.

 

Ausgangspunkt unseres spezifischen, pädagogischen (Bildungs-)Profils ist das Kind in seiner gesamten Persönlichkeit. Aus dieser kindzentrierten Sicht ergibt sich, dass unser pädagogisches Handeln durch die Selbstbildungsprozesse der Kinder bestimmt ist und die Erfahrung der Selbstwirksamkeit der Kinder oberste Priorität hat.

Unser Blick auf das Kind

Unsere Sicht auf das Kind ist von einem humanistischen Menschenbild geprägt, deshalb gehen wir von folgenden Prämissen aus:

Der Mensch ist ein offenes, ganzheitliches und spirituelles Wesen, das zu seiner optimalen Entwicklung größtmögliche Freiheit und Entfaltungsmöglichkeiten braucht. Er ist von Geburt an kompetent für die eigenen Belange und fähig zur Selbstverantwortung. Ausgestattet mit dem Willen zu immer größerem Kompetenzerwerb, sehen wir alle Menschen, ob Kinder oder Erwachsene, als Akteure ihrer Entwicklung und haben volles Vertrauen in die Verwirklichung ihres eigenen, individuellen Lebensplans. Dabei werden Grenzen, Regeln und Strukturen entwickelt, erkannt und gefordert. Der Mensch und insbesondere das Kind benötigen für die freie Entfaltung Akzeptanz und Sicherheit, Toleranz für seine Gefühle und Sensibilität für seine Bedürfnisse.


2.  Zielräume und Methoden unserer pädagogischen Arbeit 

Aus diesen Prämissen ergeben sich folgende Schwerpunkte unserer pädagogischen Haltung.

2.1.   Wir ermöglichen Selbstbildung auf der Grundlage von wechselseitiger Anerkennung, emotionaler Zuwendung und Empathie.

Die pädagogischen Mitarbeiter/innen verstehen sich als Begleiter/innen auf den ersten, selbstständigen Wegen des Kindes. Sie ermöglichen den Kindern die freie Entfaltung gemäß unserem Menschenbild. Grundlegendes Ziel unserer pädagogischen Arbeit ist es, den Kindern einen geborgenen Raum zu schaffen, in dem sie ihre individuelle Persönlichkeit entfalten können. Jedes Kind soll die Möglichkeit haben Selbstvertrauen zu entwickeln, eigene Fähigkeiten und Neigungen im kognitiven, emotionalen und motorischen Bereich zu erfahren, zu festigen und weiter zu entwickeln. Von unserem pädagogischen Personal verlangen wir Lebendigkeit, Wachheit und Entwicklungsbereitschaft, um sich immer neu an die Gegebenheiten einer dynamischen Gruppe anzupassen und jedem Kind den Raum zu schaffen, den es zum Wachsen braucht. Dabei gestehen wir den Pädagog/innen so viel Autonomie wie möglich zu, um die Arbeit im Sinne des Vereins umzusetzen. Die Mitarbeiter/innen haben in unserem knapp 20-jährigen Bestehen mit den unterschiedlichsten reformpädagogischen Ansätzen Erfahrungen gesammelt, die individuell verschieden in die tägliche Praxis einfließen.

 

Spiel ist die Haupttätigkeit des Kindes. Dies erkennen wir an und schaffen dafür einen geeigneten Rahmen, indem wir Zeit, Raum und Material strukturieren und gestalten. Transparente, verständliche Kommunikation findet auf Augenhöhe der Kinder statt. Unsere zugewandte Haltung und unser Respekt vor der Persönlichkeit des Kindes spielgelt sich darin wieder. Regeln stellen wir in Absprache mit den Kindern auf und verändern sie gegebenenfalls. Emotionale Zuwendung sehen wir als notwendige Grundlage für produktive Lernprozesse an.

Durch Beobachtung eruieren wir die Themen der Kinder, die sie bearbeiten. Wir greifen diese auf und entwickeln sie weiter durch Impulse, die wir setzen. Wir muten den Kindern auch Themen zu, die in unserer Gesellschaft nicht als kindgemäß gelten und zu denen sie kaum Zugang haben: verschiedene Musik- und Kunstrichtungen, aktuelle politische Themen, Tod, Liebe, Krieg, internationale Ereignisse und vieles mehr. Damit erweitern wir auch unseren Horizont und entwickeln uns im gemeinsamen Tätigsein. Grundsätzlich arbeiten wir prozessorientiert, erwartete Lösungen und Ergebnisse spielen eine untergeordnete Rolle. In den Tagebüchern der Kinder dokumentieren wir die individuelle Entwicklungsgeschichte eines jeden Kindes.

 

2.2.   Wir beachten die Bildungsbereiche, die dem Sächsischen Bildungsplan entsprechen.

Ganzheitliche Sicht auf das Kind

Wie oben bereits beschrieben ist es uns wichtig jedes Kind als Persönlichkeit mit Begabungen, Kompetenzen und Bedürfnissen wahrzunehmen. Persönliche Lebensprozesse des Kindes versuchen wir in ihrer Gesamtheit zu verstehen und zu respektieren, weil wir von deren Sinnhaftigkeit ausgehen. Innerhalb der Gemeinschaft lernt das Kind sich selbst zu spüren und erfährt seine individuellen Fähigkeiten und Grenzen. All diese Prozesse bedürfen einer liebevollen Begleitung durch die PädagogInnen.

 

Somatische (körperliche) Bildung

In unseren Kindergärten finden sich innerhalb wie außerhalb des Hauses Bewegungsräume, die zur Selbsterfahrung einladen und an örtliche Gegebenheiten angepasst sind. Um verschiedene taktile Erlebnisse zu ermöglichen, arbeiten wir mit verschiedenen Materialien, vorwiegend Naturmaterial. Auch das Umland wird von uns rege genutzt (Wald, Spielplätze, Seen, Schwimmbad, Turnhalle,…)

Eine motivierende, zurückhaltende und sichernde Begleitung durch den Erwachsenen halten wir für wesentlich, um dem Kind die Möglichkeit zu geben, seine eigenen Fähigkeiten und Grenzen zu erfahren und überschreiten zu lernen. Jedes Kind kann dadurch seine eigene Art des Umgangs mit Angst, Wagemut und sinnlichem Erleben finden. Gleichzeitig bieten wir Rückzugsmöglichkeiten und eine Tagesstruktur, die das Kind seine Balance zwischen Bewegung und Ruhephasen finden lässt.

Klare Regeln schaffen den nötigen Rahmen, damit alle Kinder ihren individuellen Weg beschreiten können. Bewegung im Freien ist immer möglich. Wir lassen Erfahrungen bewusst zu, die dem Kind ermöglichen, sich seinem eigenen Wärme- und Kälteempfinden entsprechend zu kleiden.

 

Sprache und Kommunikation

Es ist uns wichtig, dass Kommunikation zwischen Kindern und Erwachsenen „auf Augenhöhe“ stattfindet.         Das bedeutet, dass wir respektvoll miteinander umgehen und auf einen respektvollen Umgang der Kinder achten. Körpersprache und verbale Kommunikation werden gleichermaßen ernst genommen und entwickelt, damit das Kind lernt seine Gefühle und Befindlichkeiten authentisch auszudrücken. Wir schaffen vielfältige und fantasievolle Möglichkeiten, um gezielt miteinander zu kommunizieren – z. B. in Mittagskreisen, Vorleserunden, Reimspielen und Gesprächen. Um Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern, werden die Kinder ermutigt und stetig begleitet. Kommunikationsregeln werden situativ gelernt. Die Erwachsenen sind sich ihrer Rolle als Sprach- und Kommunikationsvorbilder bewusst.

 

Ästhetische Bildung

Es steht ein reichhaltiges Spektrum an Erfahrungsmöglichkeiten für die Kinder bereit. Materialien und Angebote zum bildnerischen Gestalten, Theatersielen, Musizieren sind im Alltag vorhanden und geben dem Kind die Möglichkeit, seine besonderen Fähigkeiten zu entdecken und die eigene Phantasie zu erleben. Die Kinder sind die Initiatoren. Aus den Ideen der Kinder entstehen Spiel- und Lernprozesse. Erwachsene geben Input, Anregungen und Unterstützung bei der Umsetzung von Ideen.

 

Mathematisch-naturwissenschaftliche Bildung

Die Erkenntnisse über die Hirnentwicklung des Vorschulkindes von Piaget nutzen wir, um angemessene Lernerfahrungen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich zu initiieren. In Anlehnung an Erfahrungen von Freinet und Montessori, die sie in ihrer langjährigen Praxis gesammelt haben, arrangieren wir eine vorbereitete Umgebung mit verschiedenen Materialien und setzen gezielt Impulse. Wiegen, messen, schätzen, bauen, zählen, ordnen, sortieren, probieren und entdecken können die Kinder unserer Kindergärten mit verschiedenen Materialien, die frei zur Verfügung stehen und in großen Mengen vorhanden sind (Muggelsteine, Schrauben, Knöpfe, u.ä.). Mathematisch-naturwissenschaftliche Inhalte werden im eigenständigen Tun und durch Experimente spielerisch entdeckt. Die PädagogInnen setzen gezielt Impulse durch Vorbereitung und Anleitung. Sie lenken die Aufmerksamkeit der Kinder bewusst auf Alltagsphänomene und Naturereignisse.

 

Soziale Bildung

Wir arbeiten in altersgemischten Gruppen von 2-6 Jahren und achten auf eine ausgewogene Geschlechtermischung. Die Zugehörigkeit zur Gruppe erleben die Kinder in Morgen- und Mittagskreisen, beim gemeinsamen Essen und Feiern. Das Gruppenleben gestalten wir in Absprache mit den Kindern.

Die Bindung zwischen Kind, Erwachsenen und Gruppe wird durch eine lange und intensive Eingewöhnungsphase von mindestens 2-3 Wochen unterstützt. Wir erarbeiten uns durch ständige Reflexion eine gesunde Balance zwischen Nähe und Distanz zum Kind.

Die Kinder wählen sich ihre Spielpartner/innen und Spielformen selbst. In Absprache mit den PädagogInnen können sich die Kinder im Haus frei bewegen und gestalten ihre Zeit eigenverantwortlich in Anerkennung der geltenden Regeln.

Die Kinder haben bei uns die Möglichkeit Konflikte untereinander auszutragen. Wir halten uns so weit wie möglich zurück, begleiten den Konflikt und greifen nur unterstützend ein, wenn Regeln verletzt werden. Eine der wichtigsten Regeln unseres Zusammenlebens ist die Stopp-Regel zur Wahrung der persönlichen Grenzen.

Durch Literatur, Musik, Tanz, Sprache und die Begegnung mit unterschiedlichen Menschen, bringen wir den Kindern verschiedene Kulturen und Lebensformen nahe. Im Kindergartenalltag erleben die Kinder die Gültigkeit von Normen und Werten, gleichzeitig wird deren Veränderbarkeit in Ausnahmesituationen deutlich.

Die Kinder finden in Haus und Garten Nischen und Rückzugsräume für vertraute und intime Begegnungen. In Achtung der Bedürfnisse des Anderen lassen wir zu, dass Nähe zwischen Kindern entstehen kann und sie ihre persönlichen Grenzen selbst erforschen können. Der respektvolle Umgang miteinander wird auch anschaulich durch Geschichten, Lieder, Spiele, Streitschlichtung und Rituale täglich thematisiert. Die Kinder werden gestärkt in der Wahrnehmung ihrer Selbst und des Anderen und ermuntert eigene Gefühle zu zeigen und zu artikulieren.

 

2.3.      Wir schaffen die Rahmenbedingungen dafür, dass Lernen als Prozess komplexer Wahrnehmungen möglich ist.

Unsere Haus- und Gartengestaltung ist bestimmt von Funktionalität, Bedürfnisorientierung, Klarheit und Ästhetik. So sind Hochebenen, Rückzugs- und Aktivitätsräume, intime Nischen und öffentliche Plätze entstanden. Wir haben in unseren drei Häusern Funktionsräume und –ecken geschaffen, die für die Kinder frei zugänglich sind und zu anregenden Aktivitäten, Entdeckungen und Erfahrungen einladen. Wichtig ist dabei die Erkennbarkeit der jeweils sinnvollen Nutzung dieser Bereiche sowie die Transparenz der dort geltenden Regeln: Kreativecke oder Atelier, Theaterzimmer, Holzwerkstatt, Malort, Töpferei,  Bewegungszimmer, Wasserspielbereich, Musikzimmer.

Der Garten bietet  vielfältige Erlebnisräume für alle Sinne: Klangstäbe, dunkle Tunnel oder Höhlen, Schwingseil, Barfußpfad, Rennstrecke mit Kurven und Hügeln, Wasserpumpe, Rasenfläche, Sträucher mit Früchten, Baumhaus, Sandspielfläche, Rutsche, Klettermöglichkeiten, Schaukel. Dadurch fördern wir aktiv das intensive Erleben des eigenen Körpers, fordern motorische Erfahrungen heraus und laden zur Wahrnehmung natürlicher Vorgänge ein. Wir beziehen unsere technischen Mitarbeiter in die Umsetzung unseres pädagogischen Konzepts aktiv ein und achten auf die Nutzung von naturnahen Materialien.

Darüber hinaus gibt es gruppenübergreifende Angebote, die regelmäßig von Honorarkräften oder Eltern durchgeführt und in enger Absprache mit den Fachkräften geplant und ausgewertet werden: Musikangebot, Experimentieren, Töpferei, Malort, Holzwerkstatt. Regelmäßige Ausflüge in den Wald, in Parks, zu nahegelegenen Spielplätzen oder sportlichen und kulturellen Einrichtungen der Stadt erweitern unseren Aktionsradius und bieten besonders für die größeren Kinder Möglichkeiten der Erschließung von Welt.

Wir achten darauf, dass wir Materialien unter dem Aspekt der Selbsttätigkeit des Kindes bewusst auswählen und zu geeigneten Zeiten und an geeigneten Orten zur Verfügung stellen. Sie sollten möglichst kreativ nutzbar sein. Wir achten auch auf regelmäßige Abwechslung und thematische Schwerpunkte. Hilfestellung durch Erwachsene erfolgt nur bei Bedarf und in Kommunikation mit dem jeweiligen Kind.

Liebevolles Begleiten prägt unsere respektvolle Haltung, die für jeden positiven Lernprozess Voraussetzung ist. Das individuelle Tempo sowie persönliche Grenzen des einzelnen Kindes werden bei jeder Aktivität geachtet und respektiert. Wir beobachten die Aktivitäten und Interaktionen der Kinder aufmerksam, um Themen und Interessen thematisch aufgreifen zu können.  

Unsere offene Arbeit erfordert einen hohen Personalschlüssel. Praktikant/innen bilden wir gerne aus und binden sie intensiv in unsere Arbeit mit ein.  

 

2.4.   Wir praktizieren eine transparente, authentische und systemisch orientierte Familienarbeit.

Aus der Prämisse, dass wir das Kind als eingebunden in ein soziales und biologisches System wahrnehmen, ergibt sich eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern.

Die Aufnahme der Kinder wird intensiv vorbereitet. Wir stellen Transparenz über gegenseitige Erwartungen her und begleiten die Eltern bei ihrem Schritt in die weitere Autonomiegewinnung ihres Kindes.

Einmal jährlich finden Entwicklungsgespräche statt, täglich pflegen wir den Kontakt mit den Eltern durch „Tür- und Angelgespräche“. Bei Bedarf können Gespräche individuell vereinbart werden. Fachlichen Rat können die Eltern erwarten, wenn es um das Verstehen der kindlichen Entwicklung geht, bei der Suche nach Beratungsstellen, Therapieeinrichtungen oder Ärzten.

Aushänge und regelmäßige Elternbriefe sorgen für einen reibungslosen Informationsfluss. Die Meinungen und Ideen der Eltern zu Alltags- und Raumgestaltung sind uns wichtig. Wir versuchen deshalb die Eltern in verschiedene Gestaltungs- und Entscheidungsprozesse mit einzubeziehen. Konstruktive und engagierte Elternmitarbeit ist uns stets willkommen.

2.5.   Die Eingewöhnung in den Kindergarten-Alltag orientiert sich am Berliner Modell.

Das Berliner Modell nach Prof. Laewen vollzieht sich in vier Phasen und begleitet Eltern und Kind behutsam bei der schrittweisen Ablösung (genauer siehe Anhang). Wir orientieren uns an den individuellen Bedürfnissen und Rhythmen der Kinder und kommunizieren unsere Beobachtungen mit den Eltern und im Team. Damit das Kind eine stabile Bindung zur Bezugsperson aufbauen kann, wird die Eingewöhnungszeit in der Dienst- und Urlaubsplanung berücksichtigt.

In allen vier Phasen beobachten und dokumentieren wir den Stand der Eingewöhnung. Die Kinder und Eltern haben freien Zugang zu ihrem jeweiligen Tagebuch, in dem die Bezugspersonen über die gesamte Kindergartenzeit Ereignisse und Erlebnisse dokumentieren.

 

2.6.   Wir arbeiten ständig an unserer Weiterentwicklung; PädagogInnen sind MitLernende.

Hauptinstrumente unserer täglichen Arbeit sind unsere Beziehungsfähigkeit, Beobachtungsfähigkeit, Handlungsfähigkeit und Kreativität. Wir achten deshalb auf eine intensive Pflege unserer Mitarbeiter/innen und eine Synergie bringende Teamzusammenstellung. Regelmäßige Teamsitzungen und Dienstberatungen, Austausch und Kooperation der Teams untereinander sowie gegenseitige Hospitationen bieten den Rahmen für unseren fachlichen Austausch und einen guten Informationsfluss. Einmal jährlich begeben wir uns in Klausur, um auch größeren Themen und Entwicklungen Platz einzuräumen. Fall- und Teamsupervision nutzen wir, wenn schwierige Prozesse einer Begleitung von außen bedürfen. Gleichzeitig bietet uns regelmäßige Supervision einen Rahmen für Reflexion und schärft unser Bewusstsein für den steten Professionalisierungsprozess, in dem wir uns befinden. Gemeinsame Feiern und Aktivitäten stärken das Zugehörigkeitsgefühl im Team und bieten Raum für informelle Gespräche.       

Allen Mitarbeiter/innen stehen fünf Weiterbildungstage pro Jahr zur Verfügung, in denen sie sich entsprechend ihrer Interessen und Neigungen eigenständig fortbilden können. Vor- und Nachbereitungszeiten finden außerhalb des Kindergartenalltags statt. Wir erwarten von unseren Mitarbeiter/innen, dass sie diese Zeiten zum Selbststudium nutzen, um Aktivitäten zu initiieren, die sich aus den Fragen und Interessen der Kinder ergeben und eigenständig die Dokumentationen führen.

 Die Leiterinnen führen regelmäßig Personalgespräche, in denen sie prüfen, ob die Mitarbeiter/innen sich wohl fühlen und am richtigen Platz eingesetzt sind. Außerdem ist dies ein intimer Ort, an dem wir über Konflikte und gegenseitige Erwartungen und Wünsche sprechen können. Die drei Leiterinnen treffen sich regelmäßig in der Pädagogischen Konferenz zur gegenseitigen Unterstützung und Professionalisierung, zum Austausch und zur Steuerung konzeptioneller Weiterentwicklungen.

 

2.7.   Wir arbeiten am QM-System, orientiert an Prof. Tietze („PädQuis“).

In Anlehnung an PädQuis arbeiten wir an unserer qualitativen Erhebung und Weiterentwicklung mit den Evaluationsbögen nach PQ-Sys. Alle drei Teams arbeiten selbständig je nach Dringlichkeit der Themen an ihrer Qualifizierung und Weiterentwicklung. Innerhalb des Trägers findet über diesen Prozess ein regelmäßiger Austausch statt, in gemeinsamen Workshops arbeiten alle Teams an Abstimmungen und konzeptioneller Weiterentwicklung. Die Evaluationsbögen liegen in allen drei Teams digital als auch im Teamordner vor. Außerdem haben alle PädagogInnen die Unterlagen digital zur Verfügung.

 

2.8.   Wir bieten den Kindern bewusst eine frische und ausgewogene Ernährung.

Nicht ohne Grund wird Essen auch als „Lebensmittel“ bezeichnet. Wir sind davon überzeugt, dass eine frische, ausgewogene, zucker- und fleischarme Kost die Entfaltung aller Lebensenergien optimal unterstützt und die Kinder in ihrer geistigen, körperlichen und seelischen Entwicklung im wahrsten Sinne des Wortes „nährt“. Frisches Obst und Gemüse sowie ungesüßter Tee oder Wasser stehen den Kindern ganztägig zur Verfügung. Für Mittagessen und Vesper verwenden wir  einen hohen Anteil regionaler Produkte aus biodynamischem Anbau. Zu jedem fleischhaltigen Essen wird eine vegetarische Alternative angeboten. Auf Lebensmittelallergien stellen wir uns individuell ein. Gelegentlich werden Mahlzeiten mit den Kindern zubereitet. Dazu beziehen wir unsere Küchenkräfte in den Alltag mit ein und gehen auch gemeinsam einkaufen.

Zu den Mahlzeiten sind uns die Vermittlung von Wertschätzung gegenüber dem Essen und die Bedeutung des Gemeinsinns wichtig. Die Mahlzeiten werden als gemeinschaftliches Ritual gestaltet, mit gemeinsamem Anfang und Ende sowie mit  klaren Regeln. Die Tische werden mit den Kindern gedeckt und zu besonderen Anlässen entsprechend gestaltet. Die PädagogInnen sind sich ihrer Vorbildwirkung bei den Mahlzeiten bewusst – sie achten auf ruhige Präsenz, eine kultivierte Art des Essens und das Einhalten der Tischsitten. Die Kinder werden ermutigt beim Probieren von Neuem und unterstützt in ihrer Selbstbestimmung und der Entwicklung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Nahrung. Sie können Menge und Auswahl weitgehend selbst bestimmen und sich selbst bedienen. So lernen sie nach und nach ihren Appetit einzuschätzen.

 

2.9.   Wir gestalten den Übergang in die Schule aktiv und in Kooperation

Der Übergang zwischen Kindergarten und Schule findet in unserem altersgemischten Konzept besondere Aufmerksamkeit. Abgesehen von besonderen Ausflügen, Aufgaben und Rechten der Großen, leisten wir psychische Transationshilfe. In dieser Entwicklungsphase reagieren wir sensibel auf Regresssituationen und gehen auf Themen wie Zahnwechsel, Abschied und Neuanfang ein. Schulrelevante Inhalte gewinnen für die größeren Kinder an Bedeutung und wir reagieren mit entsprechenden Angeboten, Ausflügen, Aufträgen und Materialien auf diese Bedürfnisse. Für die Übergangszeit haben wir Rituale wie Übernachten im Kindergarten, Gruppenfahrt der Schulkinder und Zuckertütenfest entwickelt, die den Kindern einen bewussten Abschied ermöglichen, sodass sie frei und neugierig in ihren nächsten Lebensabschnitt gehen können.

Wir beraten die Eltern anhand des Entwicklungsstandes und unterstützen sie bei der Suche nach einem geeigneten Schulprofil.

 

2.10. Wir kooperieren mit verwandten Institutionen aus Ausbildung und Forschung.

Die Ausbildung junger Menschen ist uns ein großes Anliegen, weil wir ein Interesse daran haben unsere Gedanken und Erfahrungen weiter zu geben und als Multiplikator/innen tätig zu sein. Wir arbeiten bundesweit mit Ausbildungsstätten zusammen, die Sozialassistent/innen, Erzieher/innen, Elementar- und FrühpädagogInnen und SozialpädagogInnen ausbilden. Ebenso wie wir die Kinder in ihren Lebens- und Lernprozessen begleiten, sehen wir unsere Aufgabe in der Ausbildung von Fachkräften auch in der individuellen Begleitung durch eine Balance von Unterstützen und Fordern.    

Mit verschiedenen Institutionen stehen wir im fachlichen Austausch, um unseren Horizont zu erweitern und mit dem aktuellen Stand aus Wissenschaft und Forschung abzugleichen. Das Max-Planck-Institut Leipzig führt in unseren Einrichtungen regelmäßig seine Versuchsanordnungen durch und gibt uns im Gegenzug eine Rückkopplung über seine Ergebnisse. StudentInnen der Universität Leipzig und der HTWK schreiben bei uns wissenschaftliche Arbeiten und absolvieren Praktika.

In der praktischen Arbeit kooperieren wir mit anderen Vereinen und Institutionen, u. a. Herbie e. V., Buchkinder e. V. und Sportvereine.

 

2.11. Wir sind gekennzeichnet durch eine aktive Träger- und Öffentlichkeitsarbeit.

Wir nehmen uns als Teil des Gemeinwesens wahr und sind aktiv im Kontakt mit der Öffentlichkeit. Wir stehen für offenes, prozesshaftes Arbeiten mit klaren Grenzen und Regeln und sorgen durch Internetpräsenz, Tage der offenen Tür, Flyer, Fotodokumentationen und den ständigen Austausch mit verschiedenen Menschen für Transparenz unseres gelebten Konzeptes. Die konstruktive Auseinandersetzung mit Vertretern und Vertreterinnen von Einrichtungen mit differierender Grundauffassung nutzen wir zur Überprüfung und Erweiterung unseres pädagogischen Kosmos. Als Konsultationseinrichtung geben wir ein Stück unserer lebendigen Arbeit weiter, auch an Lernende.

Wir begleiten unsere Praktikant/innen und Auszubildenden kompetent und kommen dadurch in Austausch mit Lehrer/innen, die in der Ausbildung tätig sind. Auch die Zusammenarbeit mit Sponsoren, die einzelne Projekte unterstützen, sehen wir als gelebte Öffentlichkeitsarbeit. 

Über Zeitungsartikel, die von unserer Arbeit berichten, sowie Fernsehbeiträge und Internet, kann sich die breite Öffentlichkeit ein Bild von unserer Arbeit machen. 

Unser Verein lebt durch seine Mitglieder, in der Mehrheit sind das die Eltern des Kindergartens. Der Vorstand wird aus Eltern und Mitarbeiter/innen gebildet und dient als Steuerungsorgan. Unsere Vereinsarbeit zeichnet sich durch große Transparenz und weitgehendste Mitbestimmung aus. Wir beteiligen uns aktiv an der Arbeit in der IG Freie Träger und sind Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband.

Seit 2009 sind wir auch Träger von Tagespflege.

 

3.  Partizipation – Eltern, Kinder, Fachkräfte

3.1.   Eltern als Teil des Trägervereins und als Teil der pädagogischen Arbeit

Der Freie Kindergarten e.V. ist eine Elterninitiative im klassischen bürgerlichen Engagement. Dies ist in der Jugendhilfe besonders erwünscht und von der Kommune nachhaltig zu fördern (u.a. SächsKiTag § 9). Die Eltern bzw. die Sorgeberechtigten bestimmen als Mitglieder im Trägerverein, vertreten von z.Z. sechs Eltern im Vorstand des Vereins, die grundsätzlichen Entscheidungen über die Kindergärten. Damit geht die Mitwirkung der Eltern weit über das in § 6 SächsKiTaG geforderte Mindestmaß hinaus.

Die Eltern sind in der pädagogischen Arbeit als „Experten für ihr Kind“ zur intensiven Zusammenarbeit mit dem Team gefordert. Dafür stehen alle Instrumente zur Verfügung, insbesondere die individuellen Tür- und Angelgespräche, Entwicklungsgespräche, Elternabende auf Gruppen- und Kindergarten-Ebene, Elternangebote, Elternmitarbeit u.a.

Elternmitarbeit soll nicht nur Engpässe in der Kinderbetreuung beseitigen und die Auswirkungen des schlechten gesetzlichen BetreuerInnen-Schlüssels in Sachsen mildern, sondern in erster Linie die Möglichkeit bieten, den Tagesablauf im Freien Kindergarten, die Kinder und ihre Spielsituationen kennen und verstehen zu lernen – beste Voraussetzung für Mitbestimmung im Alltag.

 

3.2.   Selbstbestimmung der Kinder

Es entspricht dem Konzept des Vereins, dass Kinder ihre Lernwege selber finden und Situationen im entdeckenden Lernen selbst gestalten. Im pädagogischen Alltag werden die Beteiligungsmöglichkeiten entsprechend des Entwicklungsstandes und der Interessen der Kinder genutzt. Dazu gibt es verlässliche Interaktionsprozesse zwischen Kindern und Fachkräften sowohl im täglichen Miteinander als auch ritualisiert in Gesprächsrunden (z.B. Morgenkreis).

 

3.3.   Fachkräfte im demokratischen Verein

Das Ziel, Kinder sich zu demokratisch gesinnte Menschen entwickeln zu lassen, erfordert ein demokratisch gelebtes Umfeld.

Im Verein gilt, dass Entscheidungen nicht in Hierarchien, sondern nach Kompetenzen getroffen werden. Dies erfordert von den Fachkräften ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit und Engagement, da die Entscheidungen, die ihre Arbeit betreffen (Personalpolitik, Rahmenbedingungen, fachliche Prozesse, Auswahl der Familien u.a.) im Wesentlichen von den Fachkräften selber bestimmt werden.

Führungskräfte (Teamleitung, Geschäftsführung, Vorstand) koordinieren und steuern Entscheidungsprozesse.

 


Zum Vergleich, für ganz Interessierte:

Konzept für die Kindergartenprojekte des Vereins Freier Kindergarten e.V.

(Auszug  von 2001)


1. Entstehung des Freien Kindergarten e. V. - Die Elterninitiative als Träger

Im Herbst 1992 schlossen sich werdende und junge Eltern zusammen, um einen Kindergarten nach ihren Vorstellungen zu gründen. Sie wollten die Betreuungsbedingungen ihrer Kinder selber bestimmen und gründeten den Verein „Freier Kindergarten e. V.“. Getragen waren sie von dem Ideal, daß Kinder größtmögliche Freiheit brauchen, um sich selbst zu entwickeln; außerdem Akzeptanz und Sicherheit benötigen, Toleranz für ihre Gefühle und Sensibilität für ihre Bedürfnisse.
Im März 1993 bezog die Elterninitiative dann erste Räume im Leipziger Süden. Im Laufe des ersten Jahres erweiterte sich der Kindergarten auf drei Gruppen mit jeweils 15 Kindern und konnte sich als Alternative zu den städtischen Einrichtungen etablieren. Als der im Seitenflügel betriebene städtische Kindergarten geschlossen wurde, erweiterte sich der Freie Kindergarten im September 1998 auf 57 Plätze in vier Gruppen. Ab dieser Zeit werden Kinder ab einem Jahr aufgenommen.
Schon seit 1999 steigt der Bedarf an selbstbestimmter Kinderbetreuung in Leipzig so stark, daß unser Kindergarten völlig überlaufen ist (wir haben über 50 Absagen im Jahr!). Eine aus den nicht aufgenommenen Eltern entstandene Bürgerinitiative gründete deswegen eine Zweigstelle „Freie Raben“.
Träger des Kindergartens ist der Verein „Freier Kindergarten e. V.“. Der Verein ist gemeinnützig und anerkannter Träger der Jugendhilfe. Er besteht aktuell aus ca. 30 Mitgliedern, zum größten Teil Eltern und einigen MitarbeiterInnen. Die Eltern ebenso wie die MitarbeiterInnen können über die Strukturen des Vereins auf alle Entscheidungen Einfluß nehmen und aktiv Veränderungen und Optimierungen anstoßen.
In den vergangen dreißig Jahren, in denen es Eltern-Kind-Gruppen in der BRD gibt, hat sich gezeigt, daß keine andere Institution so schnell und flexibel auf gesellschaftliche Veränderungen, neue Bedarfslagen und auch damit einhergehende Veränderungen von Werthaltungen der Eltern reagieren kann wie eine Elterninitiative. Ohne einen anonymen Verwaltungsapparat entsteht fast automatisch ein vertrautes Klima zwischen den Eltern und den Betreuerinnen.
Um als kleiner Verein im politischen Tagesgeschäft nicht übersehen zu werden, hat sich der Verein zur Unterstützung seiner Interessen der IG Freie Träger Leipzig angeschlossen und ist Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband.

2. Die pädagogische Arbeit

2.1. Grundlegende Ziele

Grundlegendes Ziel unserer pädagogischen Arbeit ist es, den Kindern einen geborgenen Raum zu schaffen, in dem sie ihre individuelle Persönlichkeit entfalten können. Jedes Kind soll die Möglichkeit haben, Selbstvertrauen zu entwickeln, eigene Fähigkeiten und Neigungen im kognitiven, emotionalen und motorischen Bereich zu erfahren und zu festigen.
Ziele unserer pädagogischen Arbeit sind unter anderem:
- dem Kind zu ermöglichen, seine Rolle innerhalb der Gruppe zu finden,
- ein miteinander Leben zu erfahren, das durch gegenseitige Akzeptanz und Toleranz
gekennzeichnet ist,
- persönliche Grenzen erkennen, setzen und akzeptieren zu lernen,
- Konfliktfähigkeit zu erlangen,
- Konfliktlösungsstrategien selbständig, situations- bzw. entwicklungsgemäß zu erlernen,
- Geschlechtsidentität zu finden, die auf ein gleichberechtigtes Miteinander abzielt,
- interkulturelles Zusammenleben zu erfahren.
Dabei betrachten wir Kinder als von Geburt an kompetent für die eigenen Belange, fähig zur Selbstverantwortung. Ausgestattet mit dem Willen zu immer größerem Kompetenzerwerb sehen wir die Kinder als Akteure ihrer Entwicklung und haben volles Vertrauen in die Verwirklichung ihres eigenen Lebensplanes.
Sie brauchen unsere Hilfe, Anleitung und Unterstützung beim Erkunden der Welt, beim Erlernen praktischer Fähigkeiten, beim Verstehen von Zusammenhängen, beim Aufstellen gemeinsamer Regeln, kurz: beim funktionalen Lernen
Was Kinder unserer Meinung nach nicht brauchen, ist eine intentionale Erziehung, also der wertende Zugriff auf die psychischen Dispositionen ihrer Persönlichkeit. Wir sehen Kinder als gleichberechtigte (junge ) Menschen, die in ihrem So-Sein vollständig sind und unseren Respekt verdienen. In diesem Sinne verstehen wir uns als erziehungsfreier Kindergarten und verzichten auf erwachsene Verhaltensweisen, die eine Werthierarchie zwischen den Individuen etablieren (Befehle, Strafen...). Die Kinder wissen um die Stärke und Überlegenheit der Erwachsenen (im Sinne natürlicher Autorität) und beachten und nutzen diese Kompetenzhierarchie für sich. Wir schützen die Kinder vor übertriebenen und /oder altersunangemessenen gesellschaftlichen Ansprüchen und bemühen uns, den Kindern Raum für selbstbestimmte Entwicklung zu bieten.
Wir lassen uns als Team auf ein Miteinander-Lernen ein, welches im täglichen Zusammenleben mit den Kindern auch unserer persönlichen Weiterentwicklung dient.

2.2. Der Kindergarten als Kinder-Lebens-Welt

Die Familie hat heute häufig maximal zwei Kinder, aus deren Lebenssituation sich außerhalb der Familie nur wenige spontane Einzelkontakte ergeben (Inselkindheit).
Im Kindergarten treffen sich feste Gruppen von Kindern regelmäßig, um hier soziale Kontakte aufzubauen, zu intensivieren und zu festigen. In den Gruppen haben die Kinder die Möglichkeit, Beziehungen zu anderen Kindern und zu anderen Erwachsenen aufzubauen.
Die kindliche Lebenswelt wird stark von Erwachsenen bestimmt (insbesondere auf der Ebene der Raum-Zeit-Strukturen). Im Kindergarten soll daher Platz für die kindliche Gestaltung der Lebensumwelt sein. Das heißt freie Wahl des Spielinhalts, selbstorganisiertes Spiel und damit Entwicklung und Ausbau von Spielprozessen in kindgerechter Form. So wird eine Entwicklung zu eigenaktivem Denken und Handeln und damit zu Selbstsicherheit und Selbständigkeit gefördert. Die Kinder entwickeln und erproben eigene Formen, zueinander Kontakte aufzubauen und miteinander umzugehen. Im Kindergarten haben die Kinder die Möglichkeit, die Verschiedenartigkeit von Beziehungen zu erproben, Freundschaften zu schließen und zu leben. Sie lernen, in eine Gruppe hineinzuwachsen. Sie erfahren Zugehörigkeit und sie erleben, von einer Gruppe getragen zu werden. Innerhalb des Gruppengeschehens nehmen sie unterschiedliche Positionen und wechselnde Rollen ein, setzen sich einmal mit Stärkeren, einmal mit Schwächeren auseinander. Konfliktsituationen werden im Kindergarten als Bestandteil des Gruppenlebens gesehen und akzeptiert. Je nach Situation geben wir Unterstützung und gehen auf die Lösungsvorschläge der Kinder ein. Besonderen Stellenwert haben die Gefühle, die solche Situationen begleiten. Falls möglich, benennen wir diese im Gespräch und akzeptieren sie (kindzentrierte emphatische Grundhaltung). So können die Kinder eigene soziale Kompetenzen wahrnehmen und weiterentwickeln.
Wichtig für die Entwicklung der kindlichen Persönlichkeit ist auch die Förderung von Bewegungs- und Wahrnehmungsprozessen. Sie hat Einfluß auf das Gefühlsleben, die kognitive Entwicklung, das Sozialverhalten, die Kommunikation, auf die Konzentration, die emotionale Sicherheit, die Eigeninitiative, die Selbsteinschätzung...
Kinder brauchen großzügige und vielfältige Bewegungs-, Wahrnehmungs-, Erfahrungs- und Handlungsspielräume, um motorische Fähigkeiten (weiter-)entwickeln zu können. Dies kann in unserem Kindergarten selbstbestimmt in alltäglicher, spielerischer Form geschehen. Kinder benötigen in der Regel keine zusätzliche Anleitung zum bewegungsfreudigen Spiel, das Vorhalten räumlicher und kreativer Möglichkeiten reicht aus. Wir bieten noch beobachtende Begleitung an, um das Selbstvertrauen zu stärken. Werden die Kinder nicht durch einengende Verbote beschränkt oder durch „Aufpaß-Appelle“ irritiert, können sie gut auf sich aufpassen. Das ermutigt sie, Freiheit im eigenverantwortlichen Handeln zu gewinnen, sie stärken die realistische Selbsteinschätzung ihrer Fähigkeiten.
Die Kinder finden in unserem Kindergarten Räume, in denen sie ungestört sind, werden im frei entwickelten Spiel nicht unnötig unterbrochen und haben Berechtigung, hier ihre Spuren zu hinterlassen. Die Teilnahme an Gruppenaktivitäten und Angeboten ist immer freiwillig.
Unser Kindergarten bietet eine Vielzahl von Materialien, die frei zugänglich sind oder bei deren Nutzung sie auf Wunsch angeleitet werden. So können die Kinder ihre Kreativität im malerischen, werktechnischen oder musischen Bereich entdecken, entwickeln und entfalten.
Auch hier gibt es Erfolg und Mißerfolg. Wir nehmen die Art des Ausdrucks, des Spiels ernst und unterstützen die Kinder emotional. Wir fangen sie auf und begleiten sie bei Kummer, „trösten“ diesen aber nicht weg. Die Interessen werden nicht der Macht der Erwachsenen untergeordnet, vielmehr bemühen wir uns, die kleinen Schritte der Kinder in ihrer Bedeutung zu erkennen und wertzuschätzen.

3. Beteiligung der Eltern

Die Eltern sind im Freien Kindergarten nicht nur als partizipierende Vereinsmitglieder und unter Umständen als Vorstandsmitglieder gefordert, sondern als Experten für ihr Kind zur intensiven Zusammenarbeit mit dem Team (insbesondere den Gruppenbetreuerinnen) aufgerufen.
In der Grundidee soll der Eltern-Kindergarten den Kindern durch das vertraute Miteinander der Eltern und Betreuerinnen eine familiäre Atmosphäre bieten, die einer Trennung der kindlichen Lebenswelten Elternhaus-Kindergarten entgegenwirkt. Besonders wichtig ist die intensive Zusammenarbeit zwischen Eltern und Team in der Eingewöhnungsphase des Kindes. Uns ist es wichtig, die Eingewöhnung so umfassend zu gestalten, daß das Kind deutliche Mitbestimmungsmöglichkeiten hat, für sich den Schritt zur Bindung an die Betreuerinnen zu gehen.
Auch im weiteren Verlauf der Kindergartenzeit stehen den Eltern die Gruppenräume jederzeit offen. Die Eltern können am gemeinsamen Frühstück teilnehmen, mit ihrem Kind im Kindergarten spielen, die Gruppe bei Aktionen begleiten u. ä.
Mitarbeit „vor Ort“ soll nicht Engpässe in der Kinderbetreuung beseitigen, sondern in erster Linie die Möglichkeit bieten, den Tagesablauf im Freien Kindergarten, die Kinder und ihre Spielsituationen kennen und verstehen zu lernen. Praktische Unterstützung in Haus und Garten (insbesondere handwerkliche!) ist erwünscht und notwendig.
Die Koordination der Elternmitarbeit (bei größeren Projekten, Festen...) übernimmt das Team, die Eltern werden frühestmöglich in die Planung und Organisation einbezogen. Initiativen der Eltern werden vom Team unterstützt. Die Eltern wählen einen Elternbeirat, der in der Gremienarbeit des Vereins ihre Interessen vertritt.
Das Team bietet den Eltern die „Tür- und Angelgespräche“ an, um beim Bringen und Abholen der Kinder wichtige aktuelle Informationen auszutauschen, aber auch intensivere Beratungsgespräche zur Situation des Kindes sind möglich. Auf Wunsch verabreden wir auch Hausbesuche. In allen Gruppen finden nach Bedarf Elternabende bzw. Elternnachmittage statt, bei denen die Gruppenbetreuerinnen über die vergangene Zeit in der Gruppe/mit den Kindern informieren, Geplantes vorstellen, und Eltern Raum für Anregungen, Fragen, Mitsprachemöglichkeiten haben.

4. Aufnahmeverfahren

Eine stimmige Zusammensetzung der Gruppen ist für uns eine Grundlage gelingenden Kindergartenalltags. Dabei achten wir auf ausgewogene Geschlechterverhältnisse und eine gleichmäßige Verteilung der Altersstufen. Eltern, die ihr Kind im Freien Kindergarten anmelden, führen ein Aufnahmegespräch mit der Teamverantwortlichen und füllen einen Anmeldebogen aus. Die Anmeldungen werden in eine Warteliste aufgenommen. Um Kindergarten, Kinder und Team kennenzulernen, erweist es sich als günstig und wird erwartet, daß die Eltern im regelmäßigen Abstand Kontakt zum Kindergarten halten. Mindestens alle 2 Monate sollte das vorhandene Interesse bestätigt werden! Die Dauer der Anmeldung und die entstandene Beziehung zu unseren Einrichtungen spielen eine bedeutende Rolle für die weitere mögliche Zusammenarbeit.
Die Eltern, für deren Kind eine Aufnahme in den Freien Kindergarten im kommenden Kindergarten-Jahr in Frage kommt, werden darüber bis März informiert. Nach einer intensiveren Kennenlern-Phase (Hospitationstage, Probewoche) entscheiden die GruppenbetreuerInnen gemeinsam mit den Eltern, ob eine Aufnahme des Kindes in die Gruppe sinnvoll erscheint. Der Betreuungsvertrag wird dann beim Geschäftsführer abgeschlossen.



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§ 9 Trägerschaft

(1) Kindertageseinrichtungen können von Trägern der freien Jugendhilfe insbesondere auch von Elterninitiativen, privaten Trägern, Betrieben und öffentlichen Einrichtungen sowie von Trägern der öffentlichen Jugendhilfe, Gemeinden und kommunalen Zweckverbänden, betrieben werden.

(2) Der zuständige örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe hat nachhaltig darauf hinzuwirken, dass die Kindertageseinrichtungen vorrangig von Trägern der freien Jugendhilfe errichtet oder übernommen und betrieben werden.


Auszug aus dem Sächsischen Kita Gesetz



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